Alina:
Ich bin manchmal selbst überrascht, wie gut es mir heute geht. Das wäre ohne den Eser sicher nicht möglich gewesen. Als ich einzog, war ich noch voller Schmerz, und meine angesammelte Wut richtete sich meistens gegen mich selbst. Innerlich fühlte ich mich wie ein verlassenes Kind, und als letzten Ausweg hatte ich immer Selbstmord im Hinterkopf.
Mein wichtigster Schritt im Eser war, mich ganz für mich und mein Leben zu entscheiden. Aber es ging auch darum zu lernen, mich selbst Ernst zu nehmen, mich abzugrenzen und Konflikte auszuhalten. Zeitweise war ich der Verzweiflung nahe, aber die Liebe und Ermutigung der Mitarbeiter und der anderen Gäste half mir, weiterzumachen. Die Heilung kam in vielen, hart erarbeiteten, kleinen Schritten, aber jetzt habe ich auch wirklich eine Grundlage, auf die ich aufbauen kann. Darüber bin ich unendlich dankbar.
Ulrike:
Innerhalb von zwei Jahren vom Gast zum Mitarbeiter… Mein Name ist Ulrike. Ich komme von Hamburg. S-Bahn-Graffiti war meine Spezialität und sonst noch weiteres in der Richtung. Als ich nach Augsburg kam, war ich ziemlich fertig und dachte, es geht nie weiter. Doch in dieser Zeit lernte ich das verrückte Eserhaus kennen, einschließlich Friedegard. Es war oft nicht einfach, aber ich konnte erstaunlich schnell, innerhalb eines dreiviertel Jahres, mein Leben auf die Reihe bringen.
Nun wohne ich mit meinem Verlobten ganz in der Nähe des Eserhauses und besuche das berufliche Fortbildungszentrum in Augsburg. Anschließend beginne ich meine Ausbildung als Sozialpflegerin. Bis dahin bin ich die meiste Zeit “Stammpraktikantin” in der Eser-Küche und im Eser-Cafe und habe die Kurve vom Gast zum Mitarbeiter gekratzt. Das Eserhaus ist mein Zuhause geworden und es tut gut, dort abzuhängen. Schon verblüffend, wie Gott um mich kämpft.
(Namen von der Redaktion geändert)